Die imperiale Gesellschaft im großen Krieg: Russland im Siebenjährigen Krieg (1756-1763)

Der Siebenjährige Krieg hat sich in der westeuropäischen und US-amerikanischen Geschichtsschreibung längst zum prominenten Forschungsfeld entwickelt – im Unterschied zu Russland, wo er als „vergessen“ gilt. Das in russischen und auch internationalen Archiven (s. D. Sdvižkov: Briefe aus dem ‚Preußischen‘ Krieg. Angehörige der Kaiserlich-Russischen Armee im Jahre 1758, Moskau 2019) reichlich vorhandene Archivmaterial bleibt eine wahre Goldgrube für Historiker. In unserem Projekt soll dieses Material im Sinne der „new military history“ mit einem historisch-anthropologischen Ansatz untersucht werden. Eine besondere Beachtung finden Selbstzeugnisse unterschiedlicher Art, die das Kriegsgeschehen produziert hat – militärische Tagebücher, private, amtliche, diplomatische Korrespondenz, Verhörprotokolle etc. Der Krieg generierte zudem vielfältige Interaktionen – innerhalb der multinationalen „Kaiserlich-Russischen“ Armee, zwischen Militärs und der Zivilbevölkerung auf den von Russland besetzten Territorien in Preußen und Polen, sowie schließlich zwischen den Gegnern. Denn im Krieg werden „nicht nur Kanonenkugeln, sondern auch Sinndeutungen ausgetauscht“. Russland und die russische frühneuzeitliche Gesellschaft der Kriegsjahre werden dementsprechend im Kontext der Verflechtungs- und Vergleichsgeschichte betrachtet, in Zusammenarbeit mit eingeladenen Forschern und unter Einbezug von Materialien der Anliegerstaaten.       

PROJEKTLEITUNG: Denis Sdvižkov
LAUFZEIT: 2020 – 2023/24*
KOOPERATIONSPARTNER: Maksim Anisimov (IRI RAN), Dominic Lieven (LSE)
PUBLIKATIONEN 

Konferenzband der Konferenz vom 27-28.05.2021 („Russia and the Seven Years’ War“) (in Vorbereitung. Verschoben in Folge der Aussetzung der Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus NLO) 

Forschung