Klimarelevante Politikansätze und Einstellungen zum Klimawandel in Russland von der späten Sowjetzeit bis zur Gegenwart

Das Projekt nimmt die historische Entwicklung von Politikansätzen und Einstellungen auf drei in hohem Maße klimarelevanten Politikfeldern in Russland von der späten Sowjetzeit bis in die Gegenwart in den Blick. Dies betrifft unmittelbare Positionen der verschiedenen Regierungen in Moskau zum Klimawandel ab den 1980er Jahren, als das Thema auf der politischen Agenda erschien; energiepolitische Ansätze auf zentraler und regionaler Ebene mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung erneuerbarer Energien; sowie die Bemühungen, urbane Autoverkehrsemissionen einzudämmen, die in Städten wie Wladiwostok nach offiziellen Angaben bereits in den 1980er Jahren die größte Schadstoffquelle darstellten. Im Bereich der Energie und des urbanen Verkehrs war die Bekämpfung des Klimawandels die meiste Zeit kein Hauptmotiv, tauchte jedoch jeweils bereits in der späten Sowjetzeit als ein Argument in der Diskussion auf. Neben dem Entscheidungszentrum in Moskau gilt ein besonderes Augenmerk der Untersuchung der sowjetischen/ russischen Fernostregion, die im Bereich der erneuerbaren Energien und Maßnahmen zur Reduzierung von Autoverkehrsemissionen in den 1980er Jahren eine Vorreiterrolle einnahm, bevor sich ab den 1990er Jahren die Situation durch die Öffnung gegenüber den asiatisch-pazifischen Nachbarländern in verschiedener Hinsicht wandelte. Auch ansonsten stellen die Epochengrenze von 1991 und die Frage von Wandel und Kontinuität einen Angelpunkt der Untersuchung dar.

Zum Schluss geht es um Zukunftsperspektiven Russlands im Kontext des sich immer stärker im Land auswirkenden Klimawandels und des weltweiten Dekarbonisierungstrends. Nachfragesignale aus dem asiatisch-pazifischen Raum werden für die weitere Positionierung des Landes in diesem Kontext absehbar eine immer größere Rolle spielen. Zugleich hängt angesichts des riesigen Territoriums Russlands, das bislang die weltgrößten Permafrost- und Waldflächen umschließt, von den Vorgängen in Russland nicht unwesentlich ab, ob es der Menschheit gelingen wird, den anthropogenen Klimawandel auf ein den zukünftigen Generationen zumutbares Maß zu begrenzen.

PROJEKTLEITUNG: Dr. Benjamin Beuerle (Centre Marc Bloch)
LAUFZEIT: seit 2017

Forschung