Die sowjetische Erfahrung der deutschen Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg

Das mit finanzieller Unterstütztung der Fritz Thyssen Stiftung realisierte Projekt sieht die Erschließung und Veröffentlichung von hunderten von Interviews vor, die Mitglieder der Kommission zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges unter der Leitung des Historikers Isaak Minc in den befreiten Gebieten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands mit Zeugen der deutschen Besatzungsherrschaft durchführten. Die meisten der Gespräche wurden im Abstand von wenigen Monaten nach dem Abrücken der deutschen und der mit ihnen verbündeten Truppen durchgeführt. Die Dokumente befinden sich im Archiv des Instituts für Russische Geschichte der Akademie der Wissenschaften sowie in Archiven in Kiev, Simferopolʹ und Minsk. Dort hatten sich während des Krieges auf Initiative der Moskauer Historikerkommission eigenständige Kommissionen zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges gebildet. Die Dokumente gewähren reiche Einblicke sowohl in die Praxis der deutschen Besatzungsherrschaft als auch in die Resowjetisierungspolitik in den befreiten Gebieten. Neben der Erschließung dieser Dokumente will das Projekt die Interviews der Minc-Kommission(en) im Kontext von anderen Befragungen und Verhören der Resowjetisierungsperiode im unmittelbaren Anschluss an die Vertreibung der deutschen Besatzer und ihrer Verbündeten untersuchen. Dazu werden weitere Quellen, vor allem Materialien der Außerordentlichen Staatlichen Kommission, NKVD-Berichte sowie Ausschussprotokolle der Kommunistischen Partei ausgewertet.

PROJEKTLEITUNG: Jochen Hellbeck, Nikolaus Katzer
LAUFZEIT: 2014–2018
SCHLÜSSELPUBLIKATIONEN:
Jochen Hellbeck: Moral Clarifications and Biographical Reckonings: Soviet Survivors of Nazi Occupation and Their Audiences (1943–1945), in: Slavonic and East European Review (special issue on biography) [erscheint 2017]

Forschung