Die Ostslawen auf der Suche nach neuen überregionalen Identitäten (vom Ende des 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) im Kontext der modernen Nationenbildung

Das Projekt untersucht, wie vor dem Hintergrund territorialer Zersplitterung und wechselnder Herrschaftskonstellationen während der Frühen Neuzeit die Suche der Ostslaven nach neuen überregionalen Identitäten verlief und welche Bedingungsfaktoren dafür den Ausschlag gaben. Es soll die Hypothese geprüft werden, ob die Ostslawen bereits zwischen 1500 und 1750 Vorformen eines modernen Nationalbewusstseins und damit auch eigene frühmoderne nationale Mythologien entwickelten. Es wird gefragt, welche Rolle autochthone Vorstellungen auf der einen Seite und westliche Einflüsse und Vorbilder auf der anderen Seite spielten. Darüber hinaus soll geklärt werden, wie und entlang welcher Linien Transfer und Verflechtung sowie der Austausch von Ideen, Diskursen und Modellen erfolgten, welche Modelle und Diskurse verworfen wurden und welche sich durchsetzen konnten. Das Projekt wird von Forschergruppen aus Russland, der Ukraine, Weißrussland und Deutschland bearbeitet. Polnische und litauische Kollegen sollen als assoziierte Partner eingebunden werden.

PROJEKTLEITUNG: Andrej Doronin
LAUFZEIT: seit 2014
VERANSTALTUNGEN:
Kolloquium: „Von den „nationes“ des Mittelalters zu den Nationen der Neuzeit im Westen und Osten Europas“ (in Kooperation mit der HSE)
Die Alte Rus‘ nach der Alten Rus‘: ein Diskurs der ostslawischen (Nicht-)Einheit (Institut für Hochschulen der Republik Belarus, Minsk, 4. - 6. November 2015)
SCHLÜSSELPUBLIKATIONEN:
А. М. Bovhyrja: Konstrujuvannja kartyny mynuloho v kozacʹkomu istoriopysanni XVII–XVIII st., in: Istoriohrafični doslidžennja v Ukrajini 26 (2015), S. 282–294

A. V. Doronin: „Russland hält dem Vergleich zu allen anderen europäischen Nationen stand“: Lomonossow als Historiker, in: Olaf Asbach (Hrsg.): Europa und die Moderne im langen 18. Jahrhundert („Europa und Moderne“, Band 2), Hannover 2014, S. 219–244

A. Doronin: Die Alte Rus‘: wessen Geschichte?, in: Weltweit vor Ort. Das Magazin der Max Weber Stiftung, Nr. 1, 2016, S. 16-21

Alieh Dziarnovič (Dziarnovich Aleh): In Search of a Homeland: „Litva/Lithuania” and „Rusʹ/Ruthenia” in the Modern Belarusian Historiography, in: Belarusian Political Science Review 3 (2014–2015), S. 90–121

H. Grala: Vozroždenie iz nebytija: Smuta i Potop na pereput’jach nacional’nych mifologii, in: Smuta v Rossii i Potop v Rechi Pospolitoj: opyt preodoloenija gosudarstvennogo krizisa v XVII stoletii, Moskau 2016, S. 11-50

A. V. Martynjuk (Hrsg.): Alba Ruscia: belorusskie zemli na perekrëstke kulʹtur i civilizacij (X-XVI vv.), Moskva 2015

M. P. Odessky: Der Prophet Daniel und der Beginn des russischen Dramas, in: Daniel-Deutungen: Im Gedenken an Oliver Smith, Hrsg. Von W. Ch. Schneider, K. Zeyer, Bernkastel-Kues: Aschendorf Verlag 2015, S. 185–205 (Coincidentia, Band 6/1)

A. V. Sirenov: O priëmach sostavlenija častnych letopiscev v XVI v. (na primere Medovarcevskich letopiscev), in: Akademik A. A. Šachmatov: žiznʹ, tvorčestvo, naučnoe nasledie. Sb. k 150-letiju so dnja roždenija, SPb. 2015, S. 328–338

V. I. Ulʹjanovskij: „Vera i razum“: katolicizm i pravoslavie, in: Problemy slavjanovedenija, vyp. 16, Brjansk 2014, S. 51–79

V. A. Voronin: K probleme vzaimootnošenij pravoslavnych i katolikov v Velikom knjažestve Litovskom v konce XIV – seredine XVI v., in: Istoričeskij vestnik 7/154 (2014), S. 136–159

Forschung