Expertise und ländliche Entwicklung im späten Zarenreich und der frühen Sowjetunion

Das Projekt thematisiert die Rolle von Expertenwissen für die Entwicklung ländlicher Räume im Russischen Reich und der Sowjetunion von der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es untersucht das Wechselspiel von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik und analysiert so die Möglichkeiten zur Implementierung wissenschaftlichen Wissens in der Landwirtschaft sowie auch die „blinden Flecken“ wissenschaftlicher Expertise. Ziel ist es, Erklärungsansätze für den Widerspruch zwischen einer dynamischen Wissensentwicklung über ländliche Räume auf der einen Seite und vergleichsweise niedrigen Ernteerträgen und regelmäßigen Hungersnöten auf der anderen Seite zu liefern.
Im Rahmen des Projekts wurde die 2014 unter dem Titel „Als das Dorf noch Zukunft war: Agrarismus und Expertise zwischen Zarenreich und Sowjetunion“ publizierte Dissertation von Katja Bruisch abgeschlossen, die führende Agrarexperten des 20. Jahrhdunderts in einer kollektiven Biographie porträtiert. Die Arbeit fragt nach der politischen Realisierbarkeit einer „ländlichen Moderne“ und versteht sich als Beitrag zu laufenden Debatten über das Verhältnis von wissenschaftlicher Expertise und politischer Entscheidungsfindung in der Moderne.

PROJEKTLEITUNG: Katja Bruisch
LAUFZEIT: 2009–2016
VERANSTALTUNGEN:
Managing Land, Soil and People: Environmental Knowledge and Expertise in Tsarist and Soviet Russia (DHI Moskau, 14.–15. März 2014)
SCHLÜSSELPUBLIKATIONEN:
Katja Bruisch, Klaus Gestwa, Hrsg., Themenheft: Land, Soil and People: Agricultural expertise and power (19th-20th centuries), Cahiers du Monde Russe 57 (2016) 1

Katja Bruisch: Als das Dorf noch Zukunft war: Agrarismus und Expertise zwischen Zarenreich und Sowjetunion, Köln 2014

Forschung