"Weißer Fleck" in der Geschichte der sowjetischen Medizin: Transplantologie in der UdSSR (1960-1991)

  • 23.04.2020
  • 18.00 Uhr
  • Deutsches Historisches Institut Moskau, ul. Voroncovskaja 8/7
  • Russland und die Sowjetunion im 20. Jahrhundert: Neue Themen, neue Zugänge

Vortrag von Prof. Natalia Šok (Privolzhsky Research Medical University, Nizhny Novgorod)

Arbeitssprache: Russisch
In Kooperation mit Centre d'études franco-russe

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Bitte beachten Sie, dass das Institutsgebäude nach 18:30 nicht mehr zugänglich ist.

  • Zusammenfassung

    Die Geschichte der Organtransplantation in der Sowjetunion ist dramatisch, aber wenig erforscht. In den späten 1960-er nach gescheiterten Versuchen der Herztransplantation und bis in die späten 1980-er wurde in der UdSSR die Nutzung des Kriteriums "Hirntod" eingestellt, was nicht nur die sowjetische Transplantologie und die Prioritäten des sowjetischen Gesundheitssystems in diesem Bereich maßgeblich prägte (wie z.B. die Erforschung der Überlebenschancen nach Transplantationen, unionsweite immunologische und genetische Typisierung, wissenschaftliche und technische Entwicklung der künstlichen Organe), sondern auch für die ethischen, rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen dieser Disziplin weitreichende Folgen hatte, die heute noch spürbar sind.
    Der Vortrag thematisiert die wichtigsten historischen Fakten, die die Entwicklung der Transplantologie in der UdSSR hemmten und die Entstehung der biomedizinischen Ethik beeinflussten. Das von der RSF geförderte Forschungsprojekt (№18-78-10018) stütz sich quellentechnisch auf Archivalien, interne Berichte des Instituts für Organ- und Gewebetransplantationen des Gesundheitsministeriums der UdSSR und mündliche Zeugnisse.