Tektonische Verschiebungen der 1990-er: die Entstehung eines Dispositivs der Notfälle

  • 05.02.2020
  • 18.00 Uhr
  • Centre d'études franco-russe (CEFR), ul. Nikolojamskaja 1
  • Seminar zur sowjetischen Geschichte

Vortrag von Galina Orlova (Higher School of Economics) am Centre d'études franco-russe (CEFR)

Arbeitssprache: Russisch
In Kooperation mit dem Centre d'études franco-russe (CEFR)

Anmerkung zum Ort: Besucher werden gebeten, das Gebäude durch den Haupteingang der VGBIL zu betreten und den Pass mitzuführen.

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  • Zusammenfassung

    Seit den späten 1980-er erwartete man ein schweres Erdbeben auf der Halbinsel Kamtschatka. Man versuchte es vorauszusehen, erschuf Infrastrukturen zur Bewältigung der Notfälle und leitete den öffentlichen Diskurs über die Koexistenz mit den langfristigen (seismischen) Risiken ein. Der vorliegende Vortrag bedient sich des Fachbegriffes der tektonischen Verschiebung um die zunehmende Bedrohung eines Notfalls in einem seismisch stark gefährdeten Gebiet und die durch den Zerfall der UdSSR verursachten sozialen Umwälzungen zu vergleichen und zu beschreiben. Dabei handelt es sich einerseits um die Herausbildung neuer reaktiver Politiken und Infrastrukturen zur Bewältigung der Erdbeben, Tsunamis und anderer Notfälle (Gründung des Notfallministeriums, seismische Befestigung der Gebäude, öffentliche Expertise und Prognostizierung der Erdbeben, Unterrichtung und Mobilmachung der Bevölkerung usw.). Diese Neuerungen werden vor dem Vordergrund der sowjetischen diskursiven und technosozialen Sicherheitsordnungen beschrieben, die sich mit dem Zivilschutz assoziieren. Andererseits eröffnen die Neuentdeckung der seismischen Risiken und die Suche nach den Bewältigungsmitteln einen neuen Blickwinkel auf die Vorstellungen und Subjektivität des (post-)sowjetischen Menschen, der in einer Welt ohne den herkömmlichen Stützpunkt zu überleben versucht.