Zur Seele des Imperiums. Psychiatrie im Vielvölkerreich Russland, ca.1880-1917

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der Entwicklung der Psychiatrie als Wissenschaft und klinisches Fach im Vielvölkerreich Russland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es zielt dabei insbesondere auf die psychiatrische Forschung und Praxis jenseits der hauptstädtischen Zentren Petersburg und Moskau ab. Das Projekt nimmt in vier Fallstudien Regionen am Rande des Imperiums und in der russländischen Provinz in den Blick. Hierbei handelte es sich um Gebiete, die sich in ihrem verwaltungsrechtlichen Status wie auch in der Zusammensetzung ihrer Bevölkerung zum Teil beträchtlich unterschieden. Das Projekt untersucht, wie sich die Psychiatrie in diesem vielfältigen, im Untersuchungszeitraum von zunehmenden Spannungen gekennzeichneten Kontext verortete und wie in der Psychiatrie die ethnischen und sozialen Unterschiede der Patienten verhandelt wurden. Anhand des Beispiels der Psychiatrie zeigt es, wie wissenschaftliche Eliten das Machtgefüge des ausgehenden Zarenreichs erfuhren, kommentierten und mitzugestalten versuchten. 

LAUFZEIT: 2013 – 2022
PROJEKTLEITUNG: Birte Kohtz
 

Forschung